Lehrtes Don Camillo verabschiedet sich

23.09.2018 - Nach 15 Jahren zieht es Pfarrer Blasikiewicz für den Lebensabend nach Altötting

15 Jahre lang war Roman Blasikiewicz (68) Pfarrer der Katholischen St.-Bernward-Gemeinde in Lehrte. Am vergangenen Sonntag hieß es Abschied nehmen. Pfarrer Blasikiewicz hat die Altersgrenze erreicht und wurde daher von seinen Aufgaben in Lehrte entpflichtet. Künftig wird er in Altötting als Stiftskanoniker des Kollegiatstiftes St. Rupertus verbringen. „‘Für die Menschen bestellt‘, das ist schon mein Primizspruch gewesen. Da kann und will ich auch an meinem Lebensabend die Hände nicht in den Schoß legen“, sagte Pfarrer Blasikiewicz in seiner Predigt beim großen Dankgottesdienst, die er mit 450 Gläubigen und Gästen ein letztes Mal in Lehrte feierte. Beim anschließenden Empfang würdigten denn auch Wegbegleiter sowie Vertreter aus Politik und Kirche den hingebungsvollen Seelsorger mit seinem kämpferischen und doch weltoffenen Glauben des in Lehrte als „Don Camillo“ bekannten Pfarrers.

In Lehrte diente Roman Blasikiewicz länger als in jeder anderen Gemeinde seiner 33 Jahre als Priester. In keiner anderen dürfte er ähnliche Veränderungen zu bewältigen gehabt haben. In dieser Zeit erweiterte sich die Kindertagesstätte der Gemeinde um eine Krippe, wurde der eigenfinanzierte Betrieb der Schulbusse sichergestellt und eine neue Orgel gekauft. Einschneidend aber veränderte sich die Gemeinde 2014 durch die Fusion mit den beiden Nachbargemeinden St. Maria Sehnde und St. Josef Bolzum. „Bei all diesen Veränderungen haben mich Vergangenheit und Zukunft nie viel gekümmert. Sie gehören dem Erbarmen und der Vorsehung Gottes. Was mich kümmerte und forderte war stets das Heute. Das aber gehört der Gnade Gottes sowie der Hingabe meines guten Willens. Und überdies wusste ich mich durch die Gemeinde in Rat, Tat und Gebet immer gut unterstützt.“, blickte Pfarrer Blasikiewicz dankbar auf seine ereignisreichen Lehrter Jahre zurück.

Im Anschluss an den Dankgottesdienst würdigten Vertreter von Kirche und Politik das 15jährige Wirken Pfarrer Blasikiewiczs in Lehrte. „Einen Seelsorger mit Haut und Haaren“ nannte ihn Pfarrer Christoph Paschek als Vertreter des Dekans der Katholischen Kirche in der Region Hannover. Sein langjähriger Freund Romanus habe vielen „Rast gegeben auf ihrem Weg zum ewigen Zuhause“. Gemeinsam mit seiner Kollegin Gesa Steingräber-Broder und Pastor Gottfried Rabenau von der baptistischen Johannisgemeinde Lehrte dankte Pastor Andreas Anke für „die sichtbare und erlebbare Ökumene“ in den 15 Jahren, unter anderem in den gemeinsamen Gottesdiensten am Himmelfahrts- oder am Volkstrauertag. Bischof Anba Damian von der Koptischen Kirche wiederum dankte für die väterliche Liebe und herzliche Aufnahme seiner Gemeinde in der katholischen Kirche St. Theresia Ahlten: „Wir haben Sie, Pfarrer Blasikiewicz stets als „ herzlichen Vater, liebenswürdigen Bruder und begnadeten Seelsorger und nie als Vermieter empfunden.“

Dankbarkeit empfand auch Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk, dass Pfarrer Blasikiewicz „sich eingemischt hat, innerhalb und außerhalb der Kirche“, weltoffen wie zum Beispiel bei den Ökumenischen Gottesdiensten am Tag der Arbeit. DGB-Vorsitzender Reinhard Nold berichtete in seinem Grußwort, wie er nach dem ersten 1.-Mai-Gottesdienst erstaunten Besucher nach der Predigt des neuen Pfarrers erwidern musste, dieser sei „kein Kommunist, sondern ein Seelsorger mit einem Herz für die Arbeitnehmer, Arbeitslosen und Armen.“ Sehndes stellvertretende Bürgermeisterin Gisela Neuse wusste den Pfarrer auch künftig gut aufgehoben: „Sie gehen nie allein, Herr Pfarrer. Wohin Sie auch gehen, Ihr Chef geht mit Ihnen.“

Mit dem Abschied Pfarrer Blasikiewiczs wird die Pfarrei St. Bernward mit der Pfarrei St. Martin Hannover-Ost zusammengelegt. Die Verantwortung für diesen pastoralen Raum übernimmt ein Seelsorgerteam von drei Pfarrern und zwei Gemeindereferenten. Das Team leitet Pfarrer Franz Kurth aus St.-Martin. Er wird mit dem Team in einer Messe am 21.10. dieses Jahres eingeführt. Derweil freut sich Pfarrer Blasikiewicz, hoffentlich bald Lehrter und Sehnder im Marienwallfahrtsort Altötting begrüßen zu dürfen. Eines ist sicher: Auch in Bayern darf er sich der Gebete seiner einstigen Gemeindemitglieder sicher sein. 85 persönliche Gebete aus der Gemeinde schenkte ihm diese am Sonntag zu einem Buch gebunden.

Text: Jörg Wieters
Fotos: Martina Bloch