„Wir brauchen leibhaftige Boten des Glaubens“

Primiz von Burkhard Schuster in St. Bernward

Die erste Messe eines neugeweihten Priesters in seiner Heimatgemeinde ist für eine katholische Gemeinde ein seltenes wie freudiges Ereignis. Am vergangenen Sonntag war es nach 28 Jahren wieder soweit.

Der eine Woche zuvor im Kölner Dom zum Priester geweihte Burkhard Schuster zelebrierte vor Familie, Freunden und Wegbegleitern die erste öffentliche Messe in seiner Heimatgemeinde. Ein besonderes Ereignis für ihn wie für die Gemeindemitglieder. Dies galt umso mehr, da unter Einhaltung der Corona-Regeln erstmals wieder eine Messe in einem größeren Rahmen in der Kirche und ein anschließender Empfang auf dem Kirchplatz möglich war.

„Lieber Burkhard, herzlich willkommen in der Heimat“, begrüßte Pfarrer Franz Kurth den Primizianten in der Gemeinde, in der sein Weg einst begann. In St. Bernward empfing Burkhard Schuster seine Erstkommunion und wurde gefirmt. Viele in der Gemeinde hatten ihn außerdem noch als Messdiener, Jugendleiter und Mitglied des Pfarrgemeinderates erlebt. Ihn jetzt am Altar zelebrieren und die Kommunion spenden zu sehen, war für den Primizianten wie die Gemeinde ein bewegender Moment. „Wir freuen uns und sind stolz, dass einer von uns wieder Priester geworden ist“, fasste Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Günther Schrüfer die Gefühle der Versammelten zusammen. Für die Gemeinde ist Burkhard Schuster der fünfte Priester aus ihren Reihen. Deren erster war 1955 Hans-Norbert Kaesehage, deren letzter, der heutige Peiner Pfarrer Hendrik Rust. Er feierte seine Primiz in St. Bernward 1993, im Geburtsjahr Burkhard Schusters.

Die Festpredigt hielt ein alter Vertrauter der Gemeinde: unser langjähriger Pfarrer Roman Blasikiewicz. Er begleitete den geistigen Weg Burkhard Schusters von den frühen Jahren bis heute. Seine Predigt stellte er unter die provokante Frage, ob sich Priester-Werden heute denn überhaupt noch lohne? Schließlich sei das Priester-Amt kein „x-beliebiges Experiment“, sondern erfordere ein Geprägt- und Überzeugt-Sein von Gott. Genau deshalb aber brauche es die Priester, so der heutige Stiftskanoniker des St. Rupertus-Stiftes in Altötting: „Als leibhaftige Boten des frohmachenden Evangeliums. Genauso braucht es aber auch der Menschen, die mittragen, die Gemeinde als Volk Gottes.“

Zu den weiteren Primiz-Ehrengästen zählte neben Roman Blasikiewicz Heike Koehler, die Ortsbürgermeisterin Ahltens. Dort ist Burkhard Schuster aufgewachsen, bis er 2013 zum Theologiestudium nach Bonn wechselte. Koehler überreichte dem Primizianten auch im Namen des verhinderten evangelischen Ortspfarrers Henning Runne einen Stich der Kapelle der St.-Martin-Gemeinde. Der Stich der über 720 Jahre alten Kapelle soll ihn an die Anfänge christlichen Lebens an seinem Geburtsort erinnern. „Möge Sie der Stich erinnern, dass uns Protestanten und Katholiken durch die eine Taufe mehr verbindet als trennt“, verband Koehler das Geschenk mit der Hoffnung künftigen ökumenischen Engagements des Neu-Priesters.

„Was Er euch sagt, das tut“, lautet der Weihespruch Burkhard Schusters aus dem Johannes-Evangelium. In diesem Geiste geht es für Burkhard Schuster nach der Primiz bereits am Montag zurück an seine neue Wirkungsstätte, der Gemeinde St.-Peter-und-Paul im niederrheinischen Grevenbroich, wo er bereits sein Diakonat absolvierte und jetzt seine erste Kaplanstelle antritt.

Die Aufzeichnungen der Primiz-Messe und der Dankandacht können noch auf YouTube angeschaut werden.